Am Donnerstag, 13.06.2009, hatte ich meinen ersten Aussendreh zum Film "Die Heiler".
Es führte mich und meine Frau Gabriele zu einem bewirtschafteten Hof am Bodensee.
Ein Chor war versammelt, der zum Sonnenuntergang das "Agnihotra" singen sollte.
Bis zum Sonnenuntergang unterhielten wir uns mit den beiden Protagonisten, die uns am heutigen Tag für das Interview zur Verfügung stehen wollten.
Die Initiatoren des Hofes und der Agnihotra-Zeremonie versuchten, uns die Wichtigkeit dieser weltumspannenden Aktion darzulegen und dass es ihnen dank dieser Feuer-Zeremonie an einem besonders heiligen Platz erstmals gelungen sei, einen achteckigen Wasserkristall entstehen zu lassen, den sie natürlich gleich Emoto kundgetan hatten.
Der Chor - es handelte sich um freiwillige Helfer auf dem Hof, der als gemeinnütziger Verein geführt wird - bestand aus lauter lieben und unkomplizierten Menschen, die sofort bereit waren, die Einverständniserklärung für das Veröffentlichungsrecht am eigenen Bild zu unterschreiben.
Wir machten Stellprobe und Probesingen - eine neugierige Katze lief uns ständig durchs Bild und hatte an der aussergewöhnlichen Aktion offensichtlich Riesenspass. Einige wollten sie verscheuchen, weil sie glaubten, die Katze würde nicht so richtig ins Bild passen - ich fand jedoch, dass sie eine bildhafte Bereicherung war.
Wir waren sehr dankbar - es lief alles bestens und zum Schluss ließ ich den Freizeit-Chor noch in ihrem kleinen bescheiden Verkaufslädchen auf dem Hof antreten und in absolut windstiller Umgebung auf meinen Digital-Voice-Rekorder das vedische Mantra singen.
Sicher ist sicher.
Wie eingangs erwähnt, sollte heute das Interview stattfinden.
Ich erhielt jedoch gestern, am Freitag, vom offiziellen "Pressesprecher" eine Absage mit der Begründung, die vorgelegten Interview-Verträge wollten die beiden Interviewpartner so nicht unterschreiben.
O-Ton:
"Wir finden eure Arbeit sehr lobenswert, nur sollte für den XYZ-Hof ein anderer Vertrag,dessen Bedingungen wir formulieren, neu aufgesetzt werden.
Erst dann wäre eine weitere Filmproduktion möglich.
Die ehrenamtlichen Tätigkeiten des XYZ Hofes und der Fünffache Pfad in der Öffentlichkeit bekannt zu machen,wäre wünschenswert.
Vielleicht lässt sich hier auch mal für Arte oder Zdf-Doku ein Kurzfilm von 20-30 Minuten drehen."
Mit anderen Worten - wir hatten plötzlich das Gefühl, dass wir hier möglicherweise für eine Werbe-Film-Aktion missbraucht werden könnten.
Natürlich fielen meiner Frau und mir zunächst einmal die Kinnladen herunter, war doch unserer Meinung nach dieser erste Tag wunderbar und harmonisch verlaufen. Wir waren glücklich und in Hochstimmung und freuten uns auf die bevorstehende Interviewtour.
Dann jedoch - nach nur kurzem Durchatmen - haben wir dem Hof eine freundliche Absage erteilt, dass wir an den Vertrags-Formulierungen festhalten müssten, da dies Standard-Verträge des RTL und des ZDF für Produzenten seien. Würden wir jemals eine Chance sehen, diesen Dokumentarfilm auch im Fernsehen zeigen zu können, müssen die Übertragung der Persönlichkeits-Rechte einwandfrei vertraglich festgehalten sein.
Nach einer Nacht des unruhigen Schlafens und des Grübelns, ob nicht doch die Verträge (übliche Musterverträge, die ich mir von den Sendern besorgt hatte) zu hart und einseitig seien, waren wir uns heute einig darüber, richtig gehandelt zu haben.
Wenn es irgendwie ginge, würde ich alle Vereinbarungen gerne einfach nur per Handschlag machen – leider brauchen wir jedoch umfangreiche Verträge, um das Projekt professionell einem möglichst großen Interessentenkreis zugänglich zu machen.
Die positive und heilende Botschaft unseres Projektes „Die Heiler“ soll unbedingt möglichst viele Menschen erreichen.
Und so waren wir uns schließlich einig, uns von dieser Herausforderung nicht beeinflussen zu lassen. Vielleicht war es auch eine göttliche Prüfung, ob ich wirklich hinter meinem Projekt stehe - ohne wenn und aber.
So haben wir dann statt des heutigen Interviews gemütlich auf unserer großen Terrasse bei einem mediteranen Abendbrot mit Bio-Ziegenkäse vom heimischen Hof und würzigem Schwarzbier gesessen und andächtig den Vögeln gelauscht, die ihr ganz persönliches Agnihotra dem wunderschönen Sonnenuntergang dargebracht haben. Sogar mehrstimmig.
Was war nun Himmel - was war Hölle?
Euer Wolfgang